BOHRMASCHINE 1920




Mein erstes ernstzunehmendes Restaurationprojekt aus dem Bereich Maschinenbau: Eine Säulenbohrmaschine unbekannten Baujahrs und unbekannten Herstellers.
Ich habe die Maschine über Ebay in Kerpen erworben (Foto aus dem Inserat siehe erstes Bild unten), sie lief, war jedoch sonst nicht wirklich funktionstüchtig.



Der Werdegang

Die Faszination an Maschinen aus dieser Zeit geht für mich von der Sorgfalt und der fast künstlerischen Verziehrung der Maschinen dieser Zeit aus. In einem Buch habe ich mal eine passende Beschreibung dazu gelesen: ...in dieser Zeit war man stolz auf das, was man herstellte, man war stolz, die Technologie des Maschinenbaus zu beherrschen und sogar die entscheidende Vorreiterrolle auszuüben... Das spiegelt sich in einer suveränen Technik und Design wieder, die von der heutigen, rein zweck- und Kostenorientierten Arbeitsweise enorm abweicht. Ich habe die ca. 200-250 kg schwere Maschine in Baugruppen zerlegt transportiert, wie ihr auf den Bildern 2-6 sehen könnt. In Alfeld angekommen, habe ich sie wirklich bis auf jedes Einzelteil zerlegt und gereinigt, sowie jedes Teil einer intensiven Kontrolle unterzogen. Dabei ist mir ein folgenschwerer Fehler passiert: als ich den sehr schwergängigen Stift des Kegelrades zur horizontalen Transmissionswelle herausschlagen wollte, sind dabei drei Zähne aus dem gusseisernen Zahnrad herausgebrochen, wie ihr auf den folgenden Fotos sehen könnt.
Das Ersetzen dieses Zahnrades war im Anschluss der aufwendigste und teuerste Teil der Restauration. Erst mal einen Betrieb finden, der einem ein Kegelrad nach Muster fräst, dass in Neigung uns Zahnform nicht der heutigen Norm entspricht. Die niederrheinische Zahnradfabrik konnte mir dann weiterhelfen, auch wenn das Ersatzteil dem Aufwand entsprechend teuer ausfiel. Die Buchsen und Gleitlager der Maschine waren dank guter Wartung und Schmierung in einem guten Zustand, obwohl die Anlage offenbar bis vor kurzem, also über achzig Jahre in Betrieb war. Hier habe ich nur alles gereinigt und von altem, verharzten Fett befreit und dann wieder montiert. Was mir dann noch mehr Probleme bereitet hatte, war die Spindel mit dem langen Schiebestück, in der sich auch direkt der Konus des Bohrfutters befand. Diese Welle hätte ich am liebsten komplett neu gedreht, da sowohl das Bohrfutter nicht im Konus hielt (als ich die Maschine bekam, war das Bohrfutter mit Klebeband befestigt!) und auch die lange Nut zur Kraftübertragung mittels Passfeder vom vertikalen Kegelrad ausgeschlagen war.
Ich habe dann aber nur auf der gegenüberliegenden Seite der Welle (siehe Foto rechts) eine neue Nut einfräsen lassen und die Kraftübertragung vom Zahnrad mittels eine über Druckfeder positionierten Passfeder modifiziert. Das war dann relativ Spielarm und sollte hohhendlich für die nächsten 80 Jahre halten. Ja,danach habe ich dann noch die Mechanik für den Vorschub über Handrad überholt, da dieser defekt war. Hier waren aber nur ein paar Feilenstriche über den Zahnkranz sowie ein neuer Stift zur Arretierung und Kraftübertragung auf die Welle notwendig, keine grosse Sache.


Und dann, nachdem die Maschine wieder lackiert und fertig montiert war, stand sie noch eine Weile bei mir im Keller und wurde nicht ein einziges Mal benutzt. Mich reizt halt mehr die Restauration. Also, habe ich mir gesagt, wird das gute Stück gewinnbringend in gute Hände abgegeben.
Bei ebay rein, für 250 € Mindestgebot. Dafür ist sie dann auch weggegangen, keinen Cent mehr, aber dafür in umso bessere Hände: Ein Uhrenrestaurator, der sich zu diesem Zwecke eine authentische Werkstatt in seinem alten Bauernhof aufbauen wollte (wie ihr an den Dimensionen seht, geht es dabei um Armbanduhren bis hin zu Kirchturmuhren). Na gut, dann nehme ich angesichts dessen den erlittenen Verlust doch zähneknirschend in Kauf. Ein Hobby kostet nun mal.